Gemeinsam lernen und gedenken: Moviescreening von Samir Mehić Bowie

Kino-Flyer für Samir Mehic Bowie mit Abbildung eines Gitarrenhalses

Heuer ist der Genozid in Srebrenica 30 Jahre her. Um an die Menschen zu erinnern, die dabei ermordet wurden, zeigen wir in Kooperation mit dem Srebrenica Memorial Center und dem Balkan Investigative Reporting Network (BIRN) zwei Filme. Besonders der Titelfilm des Abends, "Samir Mehić Bowie - Letters from Srebrenica", könnte euch dabei thematisch überraschen!

Gemeinsam für eine bessere Zukunft

Als Verein aus Österreich, das als Land selbst bis heute damit beschäftigt ist, seine dunkle Geschichte zu verarbeiten und daran zu erinnern, ist es für uns wichtig, auch unseren Nachbarstaaten bei der Erinnerungskultur zu unterstützen. Die europäische Geschichte hat gezeigt, dass man die Gräuel der Vergangenheit nicht einfach wegschieben und vergessen kann und soll. Damit Genozide nicht auch Teil unserer europäischen Zukunft sind, müssen wir gemeinsam aus der Geschichte lernen.

Vielen, vor allem jungen Leuten, ist heute nicht mehr bewusst, was der Krieg im ehemaligen Jugoslawien, der Genozid in Srebrenica, aber auch die NATO-Bombardierung des Gebietes, das heute Serbien heißt, für uns alle in Europa und darüber hinaus verändert hat. Deshalb gibt es diesen Film-Abend.

Ohne Erinnerungskultur geht es nicht

Der Krieg damals auf dem Westbalkan ist in der Region bis heute immer noch allgegenwärtig. Während die Hauptstädte des Balkan lebendige, europäische Städte sind, findet man etwas weiter draußen auf dem Land immer noch zerstörte, verlassene Häuser. Viele nationalistische Politiker bedienen sich des Kriegstraumas der Menschen, um sie gegeneinander aufzuhetzen und so selbst an der Macht zu bleiben. Dabei kommt etwas Wichtiges zu kurz: nämlich die faktenbasierte Aufarbeitung und Auseinandersetzung mit den Ursachen, Ereignissen und Folgen der Kriege in den Staaten des ehemaligen Jugoslawiens. Man muss bedenken, dass dieser Krieg noch nicht so lange zurückliegt, wie der Zweite Weltkrieg für Österreich. Wir hatten schon um Generationen mehr Zeit, um das Geschehene zu verarbeiten und haben dabei dennoch viele Fehler gemacht. Man hat versucht, den Holocaust zu leugnen und zu vergessen. Das hat aber nicht dabei geholfen, die Vergangenheit zu verarbeiten und daraus zu lernen.


Bereden statt verdrängen

Viele Probleme wurden bis in die Gegenwart verschleppt und beeinflussen bis heute unsere Politik. Die Bewältigung einer Vergangenheit von Kriegsverbrechen im eigenen Heimatland, bei denen vielleicht eigene Familienmitglieder TäterInnen oder Opfer waren, ist für eine Gesellschaft sehr schmerzhaft. Es gehört zu den Überlebensmechanismen eines Menschen, das Schlechte zu verdrängen, anstatt einen konstruktiven Umgang damit zu finden.

Weil wir das wissen, möchten wir unseren Nachbarinnen und Nachbarn in der Westbalkan-Region und auch der Diaspora in Österreich dabei helfen, sich Schritt für Schritt faktenbasiert mit dieser Geschichte zu beschäftigen. Gleichzeitig möchten wir, dass auch die ÖsterreicherInnen mehr über diesen Teil europäischer Geschichte lernen. Denn auch die europäische Nachbarschaft und die internationale Gemeinschaft spielten in diesen Kriegen eine wichtige Rolle. Manchmal war das positiv - etwa wenn es um humanitäre Hilfe ging oder um die Aufnahme von Geflüchteten - und manchmal war das sehr negativ - etwa als lange vor dem Genozid in Srebrenica deutliche Warnzeichen da waren, aber die Welt nicht schnell genug darauf reagiert hat, um Tausende Leben zu retten.

"Niemals wieder" muss für alle gelten


Die Auswirkungen der NATO-Bombardierung Belgrads und der Umgebung sind wenig bekannt sind in Österreich. Diese militärische Operation wurde ohne ein UN-Mandat durchgeführt und kostete viele ZivilistInnen das Leben. Der Grund für die Bombardierung war, dass man einen bevorstehenden Genozid im Kosovo befürchtete und verhindern wollte, was man in Srebrenica nicht verhindert hat. Was diese Erfahrung mit der NATO und den wichtigen NATO-Staaten aber bis heute mit den Menschen macht, besprechen wir in Österreich quasi nie.

Wir sind dem Srebrenica Memorial verbunden, nicht zuletzt deshalb, weil unser Mitgründer Dennis Miskić im Alter von 18 Jahren Österreichs erster Auslandsgedenkdiener im Srebrenica Memorial war. Uns ist es aber auch wichtig, dass das "Niemals wieder Völkermord" für alle Menschen - egal welcher ethnischen oder religiösen Zughehörigkeit - gelten muss. Um alle Familien vor dem unfassbaren Leid zu beschützen, das Krieg und Völkermord bedeuten, müssen wir über die Vergangenheit sprechen. Zu diesem Zweck wird idëmo! immer wieder Veranstaltungen und Aktivitäten dazu abhalten. Wir freuen uns, falls du eine Idee hast, die zu diesem Projekt passt. Schreib uns gerne eine Mail oder Kontaktiere uns auf unseren Social Media-Kanälen!

"Samir Mehić Bowie - Letters from Srebrenica"

Samir Mehic Bowie und The Lives behind the Fields of Death sind in Originalsprache mit englischen Untertiteln am 30. Juni um 18 Uhr im Filmcasino zu sehen, bei dem wir uns ebenfalls für die freundliche Zusammenarbeit bedanken möchten! Wir freuen uns außerdem, dass die stellvertretende Direktorin des Memorial Centers, Amra Begić und BIRN-Journalistin Lamija Grebo dabei sein werden und anschließend an die Filme für eure Fragen zur Verfügung stehen werden. Dennis Miskić hat das alles für idëmo! organisiert und wird auch moderieren. Mehr Infos zu den Filmen und Tickets gibt es hier.



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